Lokale Regeln

Kurzzeitvermietung in Wien: Wohnzone, 90 Tage, Ortstaxe

In Wien entscheidet der Flächenwidmungsplan vor dem Kalender: in einer Wohnzone ist die gewerbliche Kurzzeitvermietung gar nicht zulässig.

7 Min.

In Wien beginnt die Prüfung nicht im Kalender, sondern auf der Karte. Liegt die Wohnung in einer Wohnzone, ist die gewerbliche Kurzzeitvermietung nicht erlaubt. Keine Bewilligung kann daran etwas ändern.

  1. § 7aDie Karte entscheidet zuerst
  2. 90 TageHome-Sharing bleibt zulässig
  3. 3,2 auf 8Der Weg der Ortstaxe

Zuerst die Wohnzone, dann der Kalender

§ 7a der Bauordnung für Wien untersagt in Wohnzonen die regelmäßige entgeltliche Überlassung von Wohnungen zu kurzfristigen Beherbergungszwecken. Wohnzonen werden im Flächenwidmungsplan festgelegt. Sie folgen keiner Bezirksgrenze und sind einer Adresse nicht anzusehen.

Seit dem 01.07.2024 gilt außerhalb der Wohnzonen ein zweiter Satz Regeln. Dort dürfen Wohnungen gewerblich kurzzeitvermietet werden, aber nur mit einer auf höchstens fünf Jahre befristeten Ausnahmebewilligung nach § 129 Abs. 1a der Bauordnung.

Wohnung in der Wohnzone

Die gewerbliche Kurzzeitvermietung ist untersagt. Es gibt hier keinen Antrag, der die Nutzung zulässig macht, sondern nur das Home-Sharing bis 90 Tage im Kalenderjahr.

§ 7a Bauordnung für Wien

Wohnung außerhalb der Wohnzone

Über 90 Tage im Kalenderjahr ist eine Ausnahmebewilligung der Baupolizei nötig. Sie ist auf maximal fünf Jahre befristet und an mehrere kumulative Bedingungen geknüpft.

§ 129 Abs. 1a Bauordnung

Die Stadt hat die Wirkung dieser Umstellung selbst beziffert. Im Jahr 2024 gingen 709 Anträge zur Kurzzeitvermietung bei der Baupolizei ein. Bis Jahresende kamen 337 Meldungen wegen missbräuchlicher Vermietung dazu. Am dichtesten lagen die Meldungen in der Leopoldstadt mit 44, in der Inneren Stadt mit 33 und in der Landstraße mit 28.

Neunzig Tage Home-Sharing ohne Bewilligung

Wer seine eigene Wohnung höchstens 90 Tage im Kalenderjahr vermietet und seinen Wohnsitz dort nicht dauerhaft aufgibt, braucht keine Ausnahmebewilligung. Das gilt auch in der Wohnzone. Es ist der einzige Weg, der dort offen bleibt.

Kostenlos ist dieser Weg trotzdem nicht. Die Ortstaxe fällt ab der ersten Nacht an. Das Gästeverzeichnis ebenfalls.

  1. Ortstaxen-Konto

    Vor der ersten Vermietung online anlegen. Danach wird monatlich abgerechnet, gezahlt wird bis zum 15. des Folgemonats, und die Jahreserklärung ist bis 15. Februar fällig.
  2. Gästeverzeichnis

    Jeder Gast wird binnen 24 Stunden nach der Ankunft eingetragen. Die Aufzeichnungen sind sieben Jahre aufzubewahren, unabhängig davon, wie kurz der Aufenthalt war.
  3. Gewerbe oder nicht

    Die Privatzimmervermietung als häusliche Nebenbeschäftigung bleibt bis zu zehn Betten gewerbefrei. Darüber hinaus stellt sich die Gewerbefrage zusätzlich zur Bauordnung, nicht an ihrer Stelle.

Die 90 Tage sind eine Grenze der Nutzung, nicht der Buchungen. Sie zählen im Kalenderjahr und hängen daran, dass die Wohnung Ihr Wohnsitz bleibt. Wer sich abmeldet und weiter vermietet, verlässt das Home-Sharing rückwirkend und landet in genau jenem gewerblichen Fall, den § 7a in der Wohnzone untersagt.

Die Ausnahmebewilligung und ihre vier Bedingungen

Außerhalb der Wohnzone wird die Bewilligung nicht nach Ermessen erteilt, sondern gegen eine Liste geprüft. Die Bedingungen gelten kumulativ. Eine einzige nicht erfüllte Bedingung reicht für die Abweisung.

BedingungWas geprüft wird
LageDie Wohnung liegt nicht in einer Wohnzone und nicht in bestimmten Grünland-Kategorien
FörderungFür die Wohnung wurden keine Wohnbauförderungsmittel verwendet
Nutzung des GebäudesDie Mehrheit der Wohnungen des Gebäudes dient weiterhin Wohnzwecken
Anteil im HausHöchstens 50 Prozent der Nutzungseinheiten dienen der gewerblichen Kurzzeitbeherbergung

Die letzte Zeile ist die, an der Vorhaben scheitern, ohne dass der Antragsteller etwas falsch gemacht hätte. Der Anteil wird über das ganze Gebäude gerechnet. Also entscheiden auch die Nachbarn darüber. Wer als Zweiter kommt, kann die Schwelle schon überschritten vorfinden.

Dem Antrag beizulegen sind die Zustimmung aller Grundeigentümer, eine genaue Beschreibung der Wohnung, eine Auflistung sämtlicher Nutzungseinheiten des Gebäudes und die Zahl der touristischen Betten. Die Auflistung des ganzen Hauses ist der Teil, den kaum jemand allein zusammenbekommt.

Die Ortstaxe steigt in zwei Stufen

Die Ortstaxe ist in Wien keine feste Größe mehr, sondern ein Pfad mit zwei angekündigten Stufen. Wer heute kalkuliert, kalkuliert mit drei verschiedenen Sätzen innerhalb von zwölf Monaten.

Wiener Ortstaxe je Aufenthaltsentgelt

Ab 01.07.2027
8 %
01.07.2026 bis 30.06.2027
5 %
Bis 30.06.2026
3,2 %

Der Satz steigt in zwei Schritten auf das Zweieinhalbfache. Der Pauschalabzug von 11 Prozent, der den heutigen Satz von 3,2 Prozent begleitet, gehört zur alten Stufe, nicht zu den kommenden.

3 Sätze der Ortstaxe, wie sie die Stadt Wien mit ihren Geltungszeiträumen veröffentlicht ·

Erhoben wird die Taxe auf das Beherbergungsentgelt, ohne Umsatzsteuer und ohne das Frühstück zum üblichen Preis. Minderjährige in Schul- oder Berufsausbildung, Gäste in Jugendherbergen und Studierende an Wiener Hochschulen sind befreit.

Markus H.BookingAnreise in 3 TagenHybride
Hallo, kommt bei der Ankunft noch eine Ortstaxe dazu? Wie viel ungefähr?18:40
Guten Abend Markus. Ja, die Wiener Ortstaxe. Sie beträgt derzeit 3,2 Prozent des Aufenthaltsentgelts, gerechnet ohne Umsatzsteuer und ohne Frühstück. Sie ist in Ihrer Abrechnung getrennt ausgewiesen, sie ist keine Gebühr der Unterkunft.18:42
Die Frage betrifft einen Betrag, den der Gast bei der Ankunft erwartet, und eine Schätzung wäre hier falsch.

Diese Antwort stimmt nur, solange der Satz stimmt. Er wechselt an einem festen Datum, nicht nach Saison. Deshalb gehört er neben die Wohnungsdaten und nicht ins Gedächtnis. Wie sich das ordnen lässt, beschreibt so funktioniert es. Berlin regelt dieselbe Materie über das Wohnrecht statt über das Baurecht. Nachzulesen in Ferienwohnung in Berlin vermieten.

Der Wiener Rahmen, Punkt für Punkt
§ 7a ist Baurecht, nicht Mietrecht
Die Norm steht in der Bauordnung für Wien und spricht über die zulässige Verwendung von Wohnungen. Sie sagt nichts über Miethöhe oder Vertragsdauer. Vollzogen wird sie von der Baupolizei.
Die Wohnzone steht im Flächenwidmungsplan
Wohnzonen sind gewidmete Bereiche, keine Bezirke. Zwei Häuser derselben Straße können unterschiedlich gewidmet sein. Die Widmung ist die erste Auskunft, die man einholt.
In der Wohnzone gibt es keinen Antrag
Die Ausnahmebewilligung nach § 129 Abs. 1a betrifft ausdrücklich Wohnungen außerhalb der Wohnzonen. Innerhalb bleibt nur das Home-Sharing. Das macht den Unterschied zu einem bloßen Genehmigungsverfahren aus.
Seit 01.07.2024 nur noch befristet
Die Ausnahmebewilligung wird auf höchstens fünf Jahre erteilt. Eine Investitionsrechnung über zehn Jahre stützt sich in Wien also auf eine Genehmigung, die auf halbem Weg endet.
Vier kumulative Bedingungen
Keine Wohnzone und kein bestimmtes Grünland, keine Wohnbauförderungsmittel, Mehrheit der Wohnungen weiterhin Wohnzwecken gewidmet, höchstens 50 Prozent der Nutzungseinheiten für gewerbliche Kurzzeitbeherbergung.
Die 50 Prozent gelten für das ganze Haus
Der Anteil wird über sämtliche Nutzungseinheiten des Gebäudes gerechnet. Die Nachbarn entscheiden also mit. Wer später kommt, kann die Schwelle bereits ausgeschöpft vorfinden.
Zustimmung aller Grundeigentümer
Nicht die Mehrheit, sondern alle. Zusammen mit der Auflistung sämtlicher Nutzungseinheiten ist das der aufwendigste Teil des Antrags.
Neunzig Tage, ohne Aufgabe des Wohnsitzes
Das Home-Sharing ist an zwei Bedingungen geknüpft: die Zahl der Tage und den Fortbestand des Wohnsitzes. Fällt die zweite weg, hilft die erste nicht mehr.
Ortstaxe ab der ersten Nacht
Sie ist unabhängig von Bauordnung und Gewerberecht zu entrichten. Bis 30.06.2026 gelten 3,2 Prozent des Aufenthaltsentgelts nach einem Pauschalabzug von 11 Prozent, danach 5 Prozent, ab 01.07.2027 dann 8 Prozent.
Monatliche Abrechnung, jährliche Erklärung
Gezahlt wird bis zum 15. des Folgemonats, die Jahreserklärung ist bis 15. Februar fällig. Gemeldet werden auch Ankünfte, Nächtigungen und Staatsangehörigkeit der Gäste.
Gästeverzeichnis binnen 24 Stunden
Jeder Gast wird binnen eines Tages nach der Ankunft eingetragen, die Aufzeichnungen sind sieben Jahre aufzubewahren. Diese Frist überlebt jede Saison und jeden Eigentümerwechsel.
Zehn Betten trennen Privat von Gewerbe
Die Privatzimmervermietung als häusliche Nebenbeschäftigung bleibt bis zehn Betten gewerbefrei. Die Gewerbefrage kommt zur Bauordnung hinzu. Sie ersetzt sie nicht.
Was vor dem Kauf zu prüfen ist
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge: die Widmung der Adresse, weil eine Wohnzone die gewerbliche Nutzung ausschließt. Der Anteil der bereits touristisch genutzten Einheiten im Haus. Drittens, ob für die Wohnung je Wohnbauförderungsmittel geflossen sind.

Häufige Fragen

Darf ich meine Wiener Wohnung in einer Wohnzone kurzfristig vermieten?

Gewerblich nicht. § 7a der Bauordnung für Wien untersagt in Wohnzonen die regelmäßige entgeltliche Überlassung von Wohnungen zu kurzfristigen Beherbergungszwecken. Zulässig bleibt dort nur das Home-Sharing bis 90 Tage im Kalenderjahr. Eine Ausnahmebewilligung ist in der Wohnzone von vornherein ausgeschlossen.

Wie lange gilt eine Ausnahmebewilligung für Kurzzeitvermietung in Wien?

Höchstens fünf Jahre. Seit dem 01.07.2024 dürfen Wohnungen außerhalb von Wohnzonen nur noch mit einer auf maximal fünf Jahre befristeten Ausnahmebewilligung nach § 129 Abs. 1a der Bauordnung gewerblich kurzzeitvermietet werden. Die Befristung ist Teil der Bewilligung, es gibt keine Verlängerungsautomatik.

Wie hoch ist die Wiener Ortstaxe und wann steigt sie?

Bis zum 30.06.2026 beträgt sie 3,2 Prozent des Entgelts für den Aufenthalt, ohne Umsatzsteuer, ohne Frühstück und nach einem Pauschalabzug von 11 Prozent. Vom 01.07.2026 bis 30.06.2027 sind es 5 Prozent des Aufenthaltsentgelts, ab dem 01.07.2027 dann 8 Prozent. Gezahlt wird bis zum 15. des Folgemonats.

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